Pfarrer Mayr und sein "Kampf mit Gott"

Besuch von einer beeindruckenden Persönlichkeit

Eine beeindruckende Persönlichkeit durften wir Schüler der 10. Klassen in diesem Schuljahr kennen lernen. Auf Einladung unserer Religionslehrerin Frau Grimminger kam der Augsburger Pfarrer Mayr an unsere Schule.

PfarrerMayr 02Zuerst schauten wir zusammen mit ihm eine Dokumentation über sein Leben an. Ein Fernsehteam hat den Priester begleitet und einen Beitrag für das Bayerische Fernsehen gedreht.
Hier erfuhren wir bereits wichtige Eckdaten im Leben von Pfarrer Mayr: In seiner Jugend war es für ihn ein Traum, Pfarrer zu werden und den Menschen zu zeigen, wie wichtig der Glaube ist. In Rom wurde er zum Priester geweiht. Kurz nach seinem 40. Geburtstag spürte er ein eigenartiges Gefühl in den Beinen. Nur eine Woche später war er - bedingt durch eine Infektion - querschnittsgelähmt.

Pfarrer Mayr hoffte, betete und flehte Tag für Tag, dass Gott ihm helfen würde. Er hat auf ein Wunder gewartet und hoffte, dass er am Ostergottesdienst wieder gesund sein würde, doch dies passierte nicht. Er konnte seine Heilung nicht erzwingen, aber die Hoffnung hat er bis heute nicht aufgegeben. Er war enttäuscht, dass ihm Gott nicht half und er haderte lange mit Gott und seiner Behinderung. Kann Gott so grausam sein? Warum hilft er einem Priester nicht, der ihm doch sein Leben zur Verfügung stellt?

PfarrerMayr 03Vom "lieben Gott" spricht er seitdem nicht mehr. Seine Wege sind oft unergründlich. Doch das ist kein Grund zu verbittern. Das weiß er heute aus eigener Erfahrung. Viele gute Menschen und Freunde halfen ihm, wieder "auf die Beine zu kommen".
Mit der Zeit merkte Pfarrer Mayr, dass man auch im Rollstuhl leben kann. Er hat sich mit seinem Handicap auseinandergesetzt und arbeitet heute genau dort, wo sein Leidensweg vor ca. 25 Jahren begann: im Augsburger Zentralklinikum. Gerade durch seine eigene Behinderung kann er anderen Menschen Mut machen, denen Ähnliches widerfährt, und es öffnen sich viele Türen und Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen.

Anschließend stand Pfarrer Mayer zum Gespräch und zur Diskussion zur Verfügung.

Seine offene und herzliche Art hat uns alle berührt.

PfarrerMayr 01Er sprach offen über seine Krankheit, seine Hilflosigkeit ("Da kamen mir schon mal Gedanken, mein Leben zu beenden.") über "das Loch, in das er fiel", seinen "Kampf mit Gott", sein jetziges Gottesbild, seine Schwierigkeiten damit, sein Leben und seinen Beruf neu zu ordnen und darüber, warum er trotz aller Enttäuschung, Wut und allem Unverständnis an seiner Berufung festhält und jetzt Klinikseelsorger im Zentralklinikum Augsburg ist. Wir erfuhren auch, dass er gerne die Moschee besucht, weil er mehr über andere Kulturen erfahren will und weil es nicht viele Unterschiede zwischen den Religionen gibt.

Ich glaube, Wunder gibt es noch heute, wenn auch vielleicht anders, als wir es uns immer wünschen. Man muss nur genau hinsehen! Bei Pfarrer Mayr ereignete sich das "Wunder", auf das er immer gewartet hat, doch:

Das Loch, in das er fiel, wurde zur Quelle seines Lebens.

Danke, Pfarrer Mayr, dass Sie da waren!

Melissa, Katharina, Francesco, David, Daniel, 10aM/10bM

   
   
   
   
   
   
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