Zeitzeugin 02Am 13. August 2011 jährt sich der Tag des Baus der Berliner Mauer zum 50. Mal.
In den Filmen über die Anfangszeiten dieses "hässlichsten Bauwerks der Welt" sieht man oft eine Szene, in der ein paar junge Leute über die Grenze fliehen, wobei eine Frau mit ihrem Pullover am Stacheldraht hängen bleibt, sich losreißt und ihre Flucht erfolgreich fortsetzt. Eben diese damals Anfang 20-Jährige stand nun 50 Jahre später im Klassenzimmer der 9 cM und stellte sich den Fragen der Jugendlichen.

Brigitte ("Gitti") Kynast schaute sich zunächst zusammen mit der Klasse die entsprechenden Szenen von "damals" im Video an, und dann begann sie - immer noch ganz die temperamentvolle und redegewandte Berlinerin - "ihre" Geschichte zu erzählen: Warum und wie die Flucht geplant und noch einmal verschoben wurde; was am Fluchttag geschah und wie sich alles genau abspielte; warum Mann und Kinder zurückblieben und wie die ersten Tage in der Freiheit verliefen.

Zeitzeugin 03Unumwunden berichtete sie von ihren Gewissensqualen und ihrer Sehnsucht nach ihrer Familie, was sie schließlich nach wenigen Wochen im Westen zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasste, sich in einen Zug zu setzen und in die alte Heimat zurückzufahren - wohl wissend, dass ihr Verhaftung und DDR-Gefängnis drohten ...

Mit ihren klaren und authentischen Worten machte Frau Kynast ein Stück deutscher Geschichte lebendig. Dazu gehörten auch zahlreiche Originalbilder und -dokumente sowie sogar ihre Stasi-Akte, die sie mitgebracht hatte.

Die zahlreichen Fragen einer äußerst aufgeschlossenen und interessierten Schülerschaft wurden souverän und ausführlich beantwortet, so dass die Schulstunde viel zu schnell vorbeiging.

Heute lebt Frau Kynast in Friedberg. Anlässlich des anstehenden 50-jährigen Mauer-Gedenkens wird sie in diesem Jahr sicher noch das eine oder andere Mal nach Berlin eingeladen werden, um als Zeitzeugin vorgestellt oder interviewt zu werden.

Wir hatten das Glück, sie erstmals in einem Klassenzimmer zu erleben und einen Teil ihrer bewegenden Lebensgeschichte zu hören.

Danke dafür!

Zeitzeugin 01

W Kühne

   
   
   
   
   
   
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