Blick über den Tellerrand

Herr Dorsch und Frau Brosche als Stipendiaten der Robert Bosch Stiftung

Seit 2006 zeichnet die Robert Bosch Stiftung, gemeinsam mit der Heidehof Stiftung, bundesweit Schulen mit dem Deutschen Schulpreis aus, die von Praxis und Innovationsbereitschaft her vorbildhaft sind. Außerdem vergibt sie Stipendien, die es jeweils zwei Lehrkräften von interessierten Schulen ermöglichen, eine Woche an einer dieser ausgezeichneten Schulen zu hospitieren.

Diese Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken, wollten wir, Herr Dorsch und Frau Brosche, gerne nutzen. Unsere Wunschschule war die Heinz-Brandt-Schule in Berlin-Pankow. Fristgerecht im April 2014 füllten wir Formulare aus, stellten unsere Schule vor, schrieben Motivationsschreiben - und erhielten den Zuschlag. In der Woche vom 24. bis 28. November 2014 erlebten wir die Heinz-Brandt-Schule dann "von innen".

Allgemeines zur Heinz- Brandt-Schule

Im Sommer 2010 wurde aus der reinen Hauptschule die vierzügige Integrierte Sekundarschule (ISS), die auch eine gebundene Ganztagsschule ist. Der Tagesablauf ist rhythmisiert mit einem abgestimmten Wechsel aus Unterrichts- und Freizeitangeboten. Unterrichtet wird in 80-Minuten-Einheiten. Es gibt kein akustisches Zeichen, das das Stundenende anzeigt.

Schullaufbahn

Nach der 10. Klasse können die Schüler/innen auf eines von mehreren Oberstufenzentren (OSZ) wechseln und dort nebeneinander Abschlüsse von der betrieblichen Ausbildung bis zur allgemeinen Hochschulreife erwerben. In der Mensa trifft man sich. Diese Durchmischung wird von den Lehrkräften als positiv erlebt.

Die Hospitationswoche

Neben zahlreichen Unterrichtshospitationen und Gesprächen hatten wir das Glück, in der Hospitationswoche einige besondere Programmpunkte mitzuerleben:

  • ein Assessment Center mit feierlicher Verleihung von Schülerstipendien (siehe Bericht unten),
  • einen Besuch im Partner-OSZ Marcel Breuer anlässlich des dortigen Tags der offenen Tür,
  • eine Literaturexkursion zum Friedhof mit Gedichten der Romantik.

Bemerkenswerte Einzelbeobachtungen

  1. Schülerclub/Schulstation - Jugendarbeit an der Schule (JaS)
    Der Schülerclub ist ein Begegnungsort für Schüler / innen in ihrer Freizeit, in den Pausen und teilweise in den Ferien. Es gibt auch eine Küche zum "Kochen" und Zusammensitzen.
  2. Berufsorientierung (Schwerpunkt 1 der Schule)
    Es gibt jahrgangsübergreifende Angebote, z. B. Berufswahlpass, schuleigene Praktikumsbörse, Betriebspartnerschaften, Benimm-Training, Bewerbungstraining, zusätzlich aber auch eine Vielfalt an Maßnahmen in einzelnen Klassenstufen, z. B. im 7. Jahrgang "Service Learning" - Lernen durch Engagement, gemeinnützige Arbeit in sozialen Einrichtungen.
  3. Soziales Lernen - Schülerstipendium - "Einsatz lohnt sich"
    Der Wirtschaftkreis Pankow e.v. vergibt seit 2012 Schülerstipendien an zwölf Schüler/innen mit herausragendem Engagement. Die Bewertungskriterien sind Lern- und Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Umgangsformen, Benehmen, Verhalten. Zum Ende des Bewertungszeitraumes nehmen 32 (je 2 pro Klasse) Schüler/innen an einem Endausscheid vor einer Auswahlkommission (Vertreter des Wirtschaftskreises) in einer Art Assessment Center teil. Die Sieger erhalten ein monatliches "Stipendium" für 6 Monate in Höhe von 30,00 € bis 50,00 €.
  4. Teach First Fellows
    Die Heinz-Brandt-Schule hat zurzeit drei Teach First Fellows. Teach First Fellows sind junge Akademiker mit abgeschlossenem Studium, die zwei Jahre lang an einer Schule gegen Bezahlung arbeiten. Hauptsächlich werden die Fellows an der Heinz-Brandt-Schule zum Team Teaching eingesetzt. Auch bei Projekten, wie z. B. Herausforderung, helfen sie mit. Näheres im Internet:   extern
  5. Individualisierende differenzierende Lernformen
    Lernbüros: In den drei Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch wird in Lernbüros unterrichtet, wobei aus den vier Klassen jeden Jahrgangs sechs Lerngruppen a ca. 17 Schüler/innen gebildet werden. Es gibt drei Niveaustufen mit entsprechenden Aufgabengruppen. Gearbeitet wird weitgehend "still" und individuell an diesen Aufgaben. Die Lehrkraft steht als Hilfe zur Verfügung und gibt auch immer wieder Empfehlungen in Bezug auf das zu wählende Anforderungsniveau.
    Logbucharbeit: Die Schülerlinnen setzen sich im Logbuch (eine Art erweitertes Hausaufgabenheft) Wochenziele, deren Erreichung sie am Ende der Woche überprüfen können. Das Logbuch dient als Steuerungs- und Rückmeldeinstrument für die Schüler- und Eltern-Beratungsgespräche (siehe Ziel- und Bilanzgespräche).
    TÜFF:In den TÜFF-Stunden haben die Schülerlinnen die Möglichkeit, zu üben, bei Lehrkräften um Rat zu fragen und ihre Hausaufgaben zu erledigen. Wenn sie diese Möglichkeit nutzen, haben sie keine Hausaufgaben mehr auf.
  6. Kulturelle Bildung (Schwerpunkt 2 der Schule)
    Museum, Theater, Tanz ... werden ebenso wichtig genommen wie Leseförderung. Büchertauschregal und Projekttag Buch sind nur zwei der zahlreichen Bemühungen.
  7. "Herausforderung"
    Jede "Herausforderung" dauert 14 bis 21 Tage. Bisher gab es z. B. eine Wandertour in den Alpen, eine Fahrradtour nach Paris, Arbeiten im Steinbruch, Segeln in der Ostsee. Selbstversorgung, Selbstorganisation sind wesentliche Elemente. Übernachtet und gekocht wird bescheiden.
  8. Elternarbeit
    Zweimal im Jahr finden 30-minütige Bilanz- und Zielgespräche statt - mit Eltern, Schüler/innen und Lehrkräften. Elterncafe und gemeinsames Grillen haben sich bisher ebenso gut bewährt.
  9. Weitere Beobachtungen während der Hospitationswoche
    Auffällig war ein freundschaftlicher Ton in der Interaktion aller "Schulmitglieder" - getragen von großer gegenseitiger Wertschätzung selbst in Konfliktsituationen. Die Schüler/innen arbeiteten in den Lernbüros relativ selbständig und waren bemüht, ihre Arbeitsaufträge zu erledigen. Integrationsschüler stachen als solche nicht ins Auge. Die Logbücher wurden zwar nicht unbedingt mit allergrößter Sorgfalt, aber doch konsequent geführt. Die Durchmischung der Schülerschaft seit 2010 wird als positiv erlebt. Die Schüler/innen lernen auch am Vorbild der anderen. Seit ISS-Zeiten wird eine Zunahme an Höflichkeit beobachtet.
   
   
   
   
   
   
© 2012 Schillerschule Augsburg-Lechhausen Alle Rechte vorbehalten.