Eröffnung der Wanderausstellung "Leben und Lernen in der Hauptschule"

Im Schuljahr 1993/94 feierte die Hauptschule in Bayern ihren 25. Geburtstag. Anlaß für die Augsburger Hauptschulen, dieses Jubiläum mit einer ganzen Reihe von vielfältigen Aktivitäten zu begehen, wie bereits im Herbst in einem umfangreichen Veranstaltungskalender angekündigt.

Hauptschule TafelUnserer Schule kam nun schon ziemlich zu Beginn dieses regelrechten Veranstaltungsmarathons die ehrenvolle Aufgabe zu, die Wanderausstellung ''Leben und Lernen in der Hauptschule" zu eröffnen. Als Termin war der 25. November 1993 vorgesehen. Und so liefen etwa seit Mitte Oktober die Vorbereitungen auf dieses Großereignis auf Hochtouren, galt es doch nicht nur, mit insgesamt vier Schautafeln einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Ausstellung selbst zu leisten, sondern auch für den eigentlichen Festabend ein Programm zusammenzustellen, das dem bedeutsamen Anlaß Rechnung tragen sollte.

Wochenlang waren nun viele Schülerinnen und Schüler sowie eine große Anzahl unserer Kolleginnen und Kollegen in vielen freiwillig geleisteten Zusatzstunden mit Engagement und Enthusiasmus bei der Sache, um die Veranstaltung vorzubereiten: Schulchor und Flötengruppe, unser Schulspielensemble und verschiedene Tanzgruppen sowie viele andere , die eher im Hintergrund wirkten, aber nichtsdestoweniger ebenfalls wesentlich zum Gelingen des Abends beitrugen, wovon sich die zahlreich erschienenen Gäste aus Schule, Wirtschaft, Kirche und Politik dann überzeugen konnten:

Erinnert sei an die Flötengruppe, die unter der einfühlsamen "Stabführung" von Herrn Fiedler den Abend eröffnete, an Gazali aus der 9a, die nach der Begrüßung der Gäste geradezu professionell und ohne jegliches Lampenfieber durch das Programm führte, an die Schulspielgruppe unter der Leitung von Frau Sartori und Frau Eichmayr, die mit Witz lind Esprit "auf dem Dachboden" das Märchen von "des Kaisers neuen Kleidern" inszenierte, an die Jazztanzgruppen, die, von Frau Sattler zu Höchstleistungen angespornt, das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen sowie den gemischten Chor aus Grund - und Hauptschule, zusammengestellt von Herrn Fiedler und Herrn Breunig, der das Publikum gleichermaßen in fast andächtige Ergriffenheit wie in ausgelassene Heiterkeit zu versetzen wußte. Ungläubiges Staunen bei manchen Gästen lösten Schüler (!) und Schülerinnen der achten und neunten Klassen aus, die zu den ''Liedern für die Kinder der Welt" für die dazugehörigen passenden Tanzeinlagen sorgten, bestens präpariert und motiviert von Frau Kraus.

Vielen Besuchern aus der Seele sprach unser Rektor, Herr Greß, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen nicht "leibhaftig" anwesend, von Herrn Koller rhetorisch jedoch würdig vertreten. Mit seinen ganz persönlichen Betrachtungen zu "25 Jahren Hauptschule" in Gedichtform, wo sich in das positive Resumee auch durchaus berechtigte Kritik mischte, traf er an vielen Stellen den Nagel auf den Kopf; und es bleibt nur zu hoffen, daß seine Anmerkungen irgendwann auch "weiter oben" das dringend benötigte offene Ohr finden werden:

Aus der Hauptschule geplaudert

Die Hauptschule blickt heut' zurück
Auf ein beachtlich Wegesstück.
Drum steht ein Jubiläum an,
Auf das man wirklich stolz sein kann.

Vergleichen wir die Hauptschul heut
Mit Konzeptionen früherer Zeit,
So kann man nur bewundernd sehn,
Was Positives ist geschehn.
Die Lehrpläne sind strukturiert
Aufgebaut und orientiert
Am Postulat der Wirtschaftswelt,
Die sehr auf unsre Schüler zählt.

Die Fachpalette unsrer Zeit
ist so gewählt und auch so breit,
Dass für des Schülers Fähigkeiten
Vorhanden alle Möglichkeiten,
Sie alles abdeckt, nichts vergisst,
Genügend Wahl vorhanden ist.

Diskussionen in der Runde
Im neuen Fach Erziehungskunde,
Arbeitslehre, Steno, Sport,
Betriebserkundungen vor Ort,
Informatik, ITG,
Textgestaltung am PC,
Kochen, Werken, Handarbeit,
Und zwischendurch für einige Zeit
Zum Schnuppern in Betriebe geh'n,
Um auch die Praxis mal zu sehn,
Das bietet heut für jedermann
Der Hauptschulfächerkanon an.

Das Hauptstandbein,
das darf man sagen,
Ist sicher seit den ersten Tagen
Der Hauptschullehrer Engagement.
Sie war´n präsent, war´n immer da,
Wenn es galt zu innovieren
Oder was Neues zu probieren.
Sich im Unterricht zu plagen,
Sich zu stellen den Schülerfragen,
Hinzustehen, nicht auszuweichen
Vor all den Problembereichen,
Die uns fordern ohne Frag',
Immer neu an jedem Tag.

Schüler heut' zu motivieren,
Zum QA - Ziel hinzuführen,
Kostet Anstrengung und Kraft,
Was so manchen Lehrer schafft.
Der Grund hierfür ist klar zu sehn,
Denn bei uns ist homogen
Fast ausschließlich das Alter nur,
Sieht man mal auf die Struktur
Uns´rer Klassen fünf bis neun.

Ansonsten kann man sich erfreu´n
An einem bunten Schülergarten

 

Mit jedweden Begabungsarten,
Mit Nationen, bunt gemischt,
Mit Schülern, die zu Haus entwischt
Und jetzt in Kinderheimen leben
Und nicht nach Schulerfolgen streben.

Und mehr als früher kämpft man heute
Gegen die unsichtbare Meute
Schulfeindlicher Freizeitfüller
Und vielfältiger Interessenskiller.
Der Fernseher läuft stundenlang,
Und ist mal Ebbe im Programm,
Dann hilft man sich mit Video aus,
Die Eltern sind ja nicht zu Haus.

Und dieses täglich, immerzu.
Basteln, Lesen sind tabu,
Aktiver Sport ist oft verpönt,
Es genügt, wenn man ihm frönt
Im Sportkanal, bei DSF,
Bei ARD und ZDF.
Es fällt der Jugend heut' kaum ein
Zu Hause kreativ zu sein.

Die Sprache, früher oft gehegt,
Wird heute weniger gepflegt
Verloren ging das Feingefühl
Für Wortwahl, Satzbau und für Stil.
Und was wir alle sehr vermissen,
Es fehlt an Phantasie und Wissen,
Das man durch Lesen, Diskutieren,
Durch Nachforschen und Instruieren
Sich früher selbst erworben hat.
Das geht uns heute doch sehr ab.

Und genau dies Vakuum
Füllt mit allem Drumherum
Die moderne Medienwelt.
Erlaubt ist hier, was auch gefällt,
Gewalt und Sex,
Krieg und Kanonen
Sind Vorbilder für Aggressionen,
Für Schlägereien, brutal und hart,
Für Vandalismus jeder Art.

Es fehlen Achtung und Respekt,
Lieblosigkeit wird oft entdeckt
In der Schule uns´rer Tage.

Dies zu meistern, ohne Frage
Ist unser Bier, ist unser Job.
Bis heute klappte das, gottlob,
Doch wie wird es weiter geh´n?
Können wir damit besteh´n
Nur aufs Engagement zu bauen
Und wie bisher zu vertrauen,
Dass man des Hauptschullehrers Rücken
Mit weit´ren Lasten kann bestücken?

 

 

Unser Lehrmitteletat
Wird immer schmäler jedes Jahr.
Sieben Mark pro Schülerkopf
Für's ganze Jahr in diesem Topf
Sind auf den heißen Stein ein Tropfen,
Denn ständig muß man sich verkopfen
Wie man den Mangel soll verwalten
Es bleibt wohl weiterhin beim alten.
Das Budget reicht niemals aus
Für Wünsche aus dem ganzen Haus;
Für Chemikalien, Sportgeräte,
Pflanzen für die Schülerbeete,

Für Folienmappen und Modelle,
Landkarten und Filmgestelle,

Für Lampen, Trafos, Muffen, Klemmen,
Um auch die Physik zu nennen
Für Hansaplast und Glückwunschkarten,
Für Fachzeitschriften aller Arten.
Und im Sport fehln mittlerweile,
Reifen, Bälle und auch Seile,
Selbst Nachschub für die Bücherei
Ist in dem Etat dabei.
Trocknet die Schulen nicht ganz aus,
Wir geben's Geld nicht unnütz aus,
Denn jede Mark sich wohl rentiert
Die man in Kinder investiert.
Die Ausstellung bei uns im Flur
Zeigt einen kleinen Ausschnitt nur
Aus dem Spektrum von Ideen.
Was an Schulen ist geschehn
Wird Ihnen dort heut präsentiert
Auf Plakaten arrangiert.
Ein Streifzug, der erahnen läßt,
Was sogenannter Schülerrest
Zu leisten noch imstande ist.
Ich denk, daß niemand hier im Saal vergißt,
Sich zwischendurch auch noch zu stärken
An den kleinen Imbißwerken
Aus unsrer Küche, Spitzenklasse,
Gesponsert von der Stadtsparkasse.
Für beides recht viel Spaß und Freude,
Das wünschen wir den Gästen heute.

 WERNER GRESS
Rektor
(wegen Krankheit vertreten dch. Herrn Koller)

Hauptschule

 

 

 

 

 

 

 

   
   
   
   
   
   

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