Gewalt gegen Kinder

„Baby stirbt nach schweren Misshandlungen",
„Kind missbraucht und anschließend getötet"

Schlagzeilen wie diese machen uns nahezu Tag für Tag bewusst, wie schutz- und erbarmungslos gerade Kinder - die ja eigentlich das höchste und wertvollste "Gut" unserer Gesellschaft darstellen - der Willkür und Gewaltbereitschaft Einzelner, meist Erwachsener, ausgesetzt sind.

Besonders erschreckend ist meines Erachtens die Tatsache, dass die Täter in der weitaus überwiegenden Anzahl der Fälle Familienmitglieder sind, so dass die kleinen Opfer häufig nicht "nur" ein schreckliches Erlebnis verkraften, sondern oft täglich die übermächtigen Angriffe über sich ergehen lassen müssen. Hinzu kommt, dass Kinder zu Vater, Mutter, Onkel ... natürlich selbst dann eine starke emotionale Beziehung haben, wenn diese ihnen immer wieder entsetzliche Schmerzen zufügen.

Die Folge ist, dass Kinder häufig zu ihren Misshandlungen schweigen und diese vertuschen, damit nichts bekannt wird, weil sie Angst haben, dass dann die Familie auseinandergerissen wird. Dies gilt in verstärktem Maße, wenn die Gewaltausübung im sexuellen Bereich stattfindet. Hier wird die Mauer, die die "Öffentlichkeit" ausgrenzen soll, besonders hoch und stark gezogen. Für Außenstehende ist diese Form der Übergriffe zudem äußerst schwierig zu erkennen, da die Verletzungen, die dem Kind zugefügt werden, nicht so offenkundig sind, wie z. B. ein blaues Auge, eine geschwollene Backe oder ein deutlich sichtbarer Bluterguss. Aus diesem Grunde ist die Dunkelziffer hier enorm groß. Man spricht davon, dass nur ca. 10% der Fälle überhaupt bekannt werden.

Diese Fakten beunruhigen nicht nur die Eltern, sondern auch uns Pädagogen an den Schulen, die Erzieher/innen in Kindergärten und Horten, Kinderärzte sowie Mitarbeiter sozialer Einrichtungen und politischer Gremien. Aus diesem Grunde wurde vor knapp einem Jahr ein Unterausschuss der Fachbasis Lechhausen gegründet, der sich aus Mitgliedern der oben genannten Institutionen zusammensetzt. In dem Arbeitskreis "Gewalt gegen Kinder" wird in regelmäßigen Zusammenkünften beraten und erörtert, wie unsere Kinder in Zukunft besser geschützt werden, und welche Maßnahmen im konkreten Fall bei ersten Verdachtsmomenten getroffen werden können.

Eine Expertin in dieser Runde ist Frau Stahl-Kanditt vom Kinderschutzbund Augsburg. Wir waren daher sehr froh, dass sie unserer Bitte nachkam, sowohl den Lehrkräften als auch den Eltern unserer Schule zu aiesem brisanten Thema nähere Informationen zu geben. Im Rahmen einer pädagogischen Konferenz am 31.05.2000 erhielten wir von ihr wertvolle Hinweise dazu, wie wir als Lehrer mit einem mehr oder weniger konkreten Verdacht umgehen sollten, um dem betroffenen Kind am besten helfen zu können. Besonders wichtig seien genaue Beobachtungen, ein äußerst behutsames Vorgehen, Kontakt zu professionellen Beratern und vor allem ein hohes Maß an Geduld und "Aushalten können". Patentrezepte gebe es allerdings nicht! Jeder Fall liege anders und erfordere ein spezielles Konzept.

Beim Elternabend am 07.06.2000 stand dann mehr der Aspekt "Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch?" im Vordergrund. Das Fazit dieser Veranstaltung lässt sich in etwa so formulieren: Selbstbewusste, starke Kinder werden wesentlich seltener zu Opfern als Kinder, die nicht gelernt haben, "Nein!" sagen zu dürfen. Jedes Kind soll und muss selbst bestimmen können, wer es wo und wie und wann berühren darf. Emotionale Zuwendung, Gespräche, in denen das Kind sich ernst genommen fühlt, sowie eine vernünftige, geplante Aufklärung sind ebenfalls wichtige Maßnahmen, die eine Stärkung des "Ichs" bewirken und im Extremfall zu einem Schutzschild für das Kind werden können.

Doch auch den Eltern riet Frau Stahl-Kanditt für den Fall eines aufkeimenden Verdachtes, sich unbedingt an eine Beratungsstelle mit professionell geschulten Mitarbeitern zu wenden, um im Gespräch mehr Klarheit über die mögliche Bedeutung der gemachten Wahrnehmungen zu gewinnen und gegebenenfalls ein bewusst geplantes Vorgehen, das der jeweiligen Situation angemessen ist, entwickeln zu können.

Daher ... noch einmal ein herzliches Dankeschön an Frau Stahl-Kanditt für ihr Kommen.

Waltraud Görs

   
   
   
   
   
   

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